Erbitterte Proteste in Westchina nach Mord an Arbeiterin 1:31 pm / 29 January 2007 by anarchosyndikat.de
Dazhu, eine kleine Stadt in der westchinesischen Provinz Sezcuan wurde zum jüngsten Schauplatz einer enormen Welle von Protesten, die sich überall im Land gegen die ausufernde und von der Regierung gedeckte Korruption richten. Anlass war die Vergewaltigung und Ermordung von Yang Daili, die in der Bar des Nest Business Hotel arbeitete.
Als Reaktion auf die Ermordung der 16-jährigen Arbeiterin demonstrierten an mehreren Tagen bis zu 20.000 Menschen vor dem Viersterne-Hotel. In der Nacht zum 17.Januar erreichten die Auseinandersetzungen ihren Höhepunkt, als die wütende Menge das Hotel stürmte und in Brand setzte. Andere verhinderten, dass die Feuerwehr den Brand löschte. Als das Feuer nach fünf Stunden schließlich abebbte, war das Hotel weitgehend zerstört.
Offizielle Berichte behaupten, dass Yang Daili an einer Alkoholvergiftung gestorben sei, die sie am frühen Morgen des 30. Dezember erlitten habe, nachdem sie mit Hotelgästen zusammen gewesen sei. Inoffizielle Quellen deuten an, dass es sich bei diesen Gästen um Regierungsbeamte gehandelt habe. Freunde und Familie von Yang Daili berichten hingegen, dass die junge Arbeiterin unter Drogen gesetzt und anschließend vor ihrem Tod brutal vergewaltigt worden sei. Das Hotel befindet sich im Besitz eines hochrangigen Polizeioffiziers und von lokalen Regierungsbeamten. Das Management hatte der Familie 65.000 US-Dollar Entschädigung angeboten, wenn sie die Sache auf sich beruhen ließe. Das lehnte die Familie ab und forderte eine offizielle Untersuchung.
Als die lokale Polizei nur zögerlich begann, eine Untersuchung durchzuführen und die Familie beinahe täglich mit sich widersprechenden Meldungen konfrontiere, begannen Freunde und Familie am 15. Januar sich vor dem Hotel zu versammeln. Der Protest wuchs in den nächsten beiden Tagen explosionsartig an, bis er sich am 17. Januar in einer wahren Rebellion entlud.
Diese erbitterte Antwort der Bevölkerung von Dazhu kann nur vor dem Hintergrund der systematischen Korruption und der damit einhergehenden faktischen Straflosigkeit für Regierungsbeamte in China verstanden werden. ArbeiterInnen haben keinerlei Rechte. Es gibt keine unabhängigen Gewerkschaften, welche die Verteidigung der Interessen der ArbeiterInnen organisieren könnten. Die ökononomische Ungleichheit wächst ohne jede Grenze. Ihre Nutznießer ist eine neue Klasse von Regierungsbeamten, Militärs und Parteibonzen, die sich durch Ausbeutung und Korruption fortgesetzt selbst bereichern. Diese Umstände sind eine Brutstätte für Rebellion und jeder neue “Vorfall” dieser Art trägt zu den immer mehr anwachsenden Wellen von Massenprotesten bei, die aus der Unfähigkeit der chinesischen Regierung resultieren, eine Gesellschaft aufzubauen, die auf Gerechtigkeit, Gleichheit und Demokratie basiert.
Dutzende von ArbeiterInnen einer Textilklitsche wurden am Mittwoch verletzt, als über 200 Schläger, die angeblich vom Fabrikmanagement angeheuert wurden, eine Protestversammlung überfielen, die sich gegen den Überfall auf zwei Gewerkschafter richtete. Die Zeitung «Bangladesh Daily Star» berichtete, dass der Mob – angeführt von einem Polizeispitzel und Mafioso namens Mobarak – wahllos auf die ArbeiterInnen, hauptsächlich Frauen, eindrosch und fünf von ihnen in das Büro eines Managers der «Padma Poly Cotton Knit Fabrics Ltd.» verschleppte. Nach Aussage der Zeitung kam es während des zweistündigen Überfalls außerdem wiederholt zu sexuellen Angriffen gegen ArbeiterInnen. Dem Überfall vorausgegangen war ein ganztägiger Streik, der sich gegen die Verhaftung des Gewerkschafters Majibar Rahman durch die Behörden richtete, sowie gegen einen Überfall angeheuerter Schläger auf Sayeed und Ashraf – ebenfalls Gewerkschafter – zwei Tage vor dem Angriff der Pistoleros. Von Sayeed fehlte am Mittwoch nach wie vor jede Spur.
Demonstration von ArbeiterInnen bei «EZ-Supply» und UnterstützerInnen in New York.