Wenn Lifestyle zum Käfig wird 4:21 pm / 31 March 2010 by duab, at Das undogmatische Anarcho-Blog!

Alle erwarten das technische Gerät, was es am Samstag erstmal zu kaufen gibt und zu dem es jetzt schon Hunderttausende Vorbestellungen gibt: das iPad. So hoch wurden technische Geräte seit langem nicht mehr gehypt, auch wenn dabei eigentlich nicht viel mehr als ein großer „iPod touch“ hintersteckt. In einer anderen Größenordnung, die nämlich in die Millionen geht, in ein weiteres Phänomen zu beobachten: Das „soziale Netzwerk“ Facebook, was schon über Einhundert Millionen User*innen hat, weiter wächst und dabei ständig seine Angebotspalette ausbaut. Beide Sachverhalte, das iPad (bzw. die iProdukte von Appe insgesamt) und Facebook stehen dabei für eine neue technische, leicht zugängliche Welt für alle. Doch sie haben auch noch eine weitere Gemeinsamkeit: Beides sind stark restriktive Systeme, die ihre eigenen Nutzer*innen bevormunden.
Beim iPad (und den anderen iProdukten) kann Apple entscheiden, welche Programme im Appstore angeboten werden dürfen und somit auch, welche Programme auf den iProdukten überhaupt legal nutzbar sind. Apple hat zwar gewisse Richtlinien für den Store geschaffen, kann aber auch (mehr oder minder) nach eigenem Gutdünken Programme zulassen oder nicht. So wird es wohl keine Alternative zu Apples Browser „Safari“ geben und auch einige anzügliche Progrämmchen wurden wieder aus dem Shop genommen. Eine Anwendung namens „iMussolini“, die Reden des italienischen Diktators anbietet, wurde weiter drinbehalten, auch wenn einige Faschist*innen davon regen Gebrauch machten. Im Endeffekt verlieren die Anwender*innen so die Kontrolle über ihr Gerät, da Apple alle Programme vorher überprüft, bevor sie im Appstore angeboten werden können.
Aber viele Leute stört das auch gar nicht, denn sie wollen einfach ein Gerät, was funktioniert und es gibt ja genügend Programme im Appstore, die die Funktionalität erweitern oder einfach nette Spielereien sind. Und das kann mensch ihnen ja auch nicht vorwerfen, schließlich haben nicht alle Lust, einen PC komplett aufzusetzen und mühsam die richtigen Programme rauszusuchen und dann dabei noch Viren und Spyware zu vermeiden. Aber die iProdukte wollen ja auch keine PCs sein, dafür bietet Apple Macs an. Ich denke, unabhängig von der Popularität der iProdukte werden auch immer offene Plattformen weiterexistieren, gerade im Entwicklungs- und Unternehmensbereich, wo Lösungen flexibel sein müssen. Es wäre nur schön, wenn diese nicht in eine Nische zurückgedrängt werden und weiterhin breit verfügbar bleiben.
Und genau auf dieser offenen Plattform, dem PC, setzt nun Facebook an und versucht, alles mit seinem Netzwerk zu verknüpfen, damit sich die User*innen am besten gar nicht mehr ausloggen müssen und weiter Informationen über ihre Gewohnheiten abdrücken, damit Facebook sich besser anpassen kann. Und solange die Leute sich innerhalb des Facebooks-Netzwerkes bewegen, was ja auch immer mehr neue Funktionen bietet, befinden sie sich innerhalb einer ähnlichen geschlossen Plattform wie auf dem iPad, nur dass sie sie jederzeit verlassen können. Facebooks Datensammelei ist natürlich kritisch zu betrachten, schließlich sind die Daten dort auch nicht allzu sicher, wie einige Datenschutz- oder Phising-Skandale zeigen. Aber auch dort kann mensch den Nutzer*innen kaum verbieten, Facebook zu nutzen, sie müssen es halt selbst wissen und es bietet sicher auch einige nette Funktionen.
Mögen diese ganze Dinge auch noch so nett sein, sie stehen einem Gedanken doch klar entgegen: Dem der „freien Software“. „Frei“ heißt in diesem Sinne nicht nur kostenlos, sondern auch „open source“ und unter einer solchen Lizenz, dass die entsprechenden Programme immer nicht-kommerziell (Okay, das ist umstritten…) und offen zugänglich für alle sind. Ich weiß nicht, ob es auch kostenlose Programme im Appstore geben kann, quellenoffen und zur freien Weitergabe bestimmt sind sie jedenfalls sicher nicht. Ebenso wird Facebook den Quellcode seiner Funktionen eher gschlossen halten und die Mechanismen patentieren statt sie allen frei verfügbar zu machen. Die geschlossenen Plattformen engen also nicht nur die Nutzer*innen ein, sondern stehen auch der Idee der „freien Software“ entgegen, die auf dem Prinzip basiert, dass Technologien und Informationen allen zugänglich sein sollten. Und da sehe ich – neben den datenschutzrechtlichen Bedenken – die größte Gefahr, sollte sich diese Art von Plattformen einmal großflächig durchsetzen. Dann sind wir nämlich wirklich von der Willkür der Hersteller*innen abhängig – und haben keine großartigen Alternativen mehr.


